FC Energie Cottbus

Gegründet: 31. Januar 1966
Vereinsfarben: Rot-Weiß
Internet: www.fcenergie.de
Erfolge: Aufsteiger zur Bundesliga 2000 und 2006
Aufsteiger zur 2. Bundesliga 1997
DFB-Pokalfinalist 1997
Meister Regionalliga Nordost 1996/97
Die Anfänge Nach der Saison 1962/63 wurde die gerade aus der DDR-Oberliga abgestiegene Elf von Aktivist Brieske nach Cottbus delegiert und dem dort neu gegründeten SC Cottbus angeschlossen. Die Mannschaft gehörte fortan in der DDR-Liga, Staffel Nord zu den Spitzenteams, zum Aufstieg reichte es jedoch nie.
Als der DTSB-Bundesvorstand 1965 beschloß, die Fußballmannschaften aus den Sportclubs herauszulösen, um dem Fußballsport ein neues Gesicht zu geben wurden auch die Fußballer des SCC unter ein eigenes Kommando gestellt. So wurde am 31. Januar 1966 unter Leitung des Braunkohle-Kraftwerks Jänschwalde eine “Betriebssport-Gemeinschaft” gegründet. Den Namen “Energie” bekam die neue BSG von Bodo Krautz, einem von 450 Lausitzer Sportinteressierten, die an der Namensfindung für die Cottbuser Fußballer teilnahmen.
Der erste Oberligaaufstieg In den Nachmittagsstunden des 7. Juli 1973 bescherte Klaus Stabach dem treuen Cottbuser Publikum mit seinem Treffer aus 20 Metern ins obere Eck zum 1:0 (Endstand 1:1) gegen Stralsund die erste große Sternstunde und damit den Oberligaaufstieg. Die folgende Oberliga-Serie brachte eine Zuschauer-Explosion. Zuschauerzahlen jenseits der 10.000, die man bis dato nur von den Derbys gegen Vorwärts Cottbus kannte, wurden zur Tagesordnung. Daß Lehrjahre keine Herrenjahre sind, mußten auch die frischgebackenen Oberligakicker im Verlauf der Spielzeit erfahren. Bei keinem der 13 Heimspiele gingen die Cottbuser als Sieger vom Platz, welches sicher ein Hauptgrund für den am Ende der Saison enttäuschenden 14. Tabellenplatz und dem damit zusammenhängenden Abstieg war.
Die Fahrstuhlmannschaft Nach nur einem Jahr in der 2. Liga wurde sofort wieder die Aufstiegsrunde erreicht. Doch magere drei Punkte nach den ersten fünf Spielen ließen kaum Hoffnungen auf einen der beiden Aufstiegsplätze. In den letzten drei ausstehenden Spielen begannen die Energie-Kicker eine sensationelle Aufholjagd. Nach einem Sieg gegen Schwerin folgte ein noch heute legendärer 5:1-Sieg beim 1. FC Union Berlin (damaliger O-Ton von Radio-Reporter Heinz-Florian Oertel: “Union feiert sein Begräbnis vor der eigenen Haustür”) und die Lausitzer waren wieder im Gespräch. Am 21. Juni 1975 kamen 12.000 Zuschauer zum vorentscheidenden Spiel gegen Wismut Gera. Lothar “Lotte” Schulz, der in der letzten halben Stunde eingewechselt wurde und maßgeblich an den beiden Treffern zum 2:0-Sieg beteiligt war, wurde zum Helden des Tages. Die Zuschauer, die trotz wolkenbruchartigem Regens nicht von ihren Plätzen wichen, gingen mit dem Gewissen nach Hause, diesen Sieg mit dem Aufstieg gleichsetzen zu können. Am letzten Spieltag, Energie war spielfrei, lauschte man allerorts im Raum Cottbus der Rundfunkübertragung vom Spiel Wismut Gera kontra Chemie Leipzig. Ein Remis zwischen beiden bedeutete schließlich den Wiederaufstieg - der sofortiger Abstieg als Tabellendreizehnter folgte. Bis 1981 mußten sich die Energie-Fans wieder nur zu DDR-Liga-Kost trösten. Dreimal in Folge erreichte man die Aufstiegsrunde, doch erst 1981 gelang der Aufstieg. Nach einem schlechten Start in die folgende Oberliga-Saison reichte die Steigerung nach der Winterpause wiederum nicht für den Klassenerhalt, aber doch für einen kleinen Erfolg. Im Viertelfinale des FDGB-Vereinspokals kam es zu der Begegnung Energie Cottbus - HFC Chemie Halle. Auf 20 cm Neuschnee konnte Energie dank einer überragenden Leistung von Torwart-Legende Andreas Wendt mit 2:1 nach Verlängerung die Partie für sich entscheiden. Im Halbfinale stutzte Dynamo Dresden mit einem 4:1 die Flügel der Cottbuser Pokal-Überflieger. Nach dem Abstieg brachen die Energie-Kicker auch in der Liga ein. Unter Trainer Günter Guttmann war man sogar auf einem Abstiegsplatz in Richtung Bezirksliga gelandet, als 1984 eine neue Ära im Energie-Fußball anbrach. Mit Neutrainer Fritz Bohla kam eine 180-Grad-Wendung. Gleich im ersten Spiel deklassierte das Team den Tabellenersten und haushohen Favoriten Union Berlin mit 4:1. Energie wurde am Saisonende noch 2. hinter Oberliga-Aufsteiger Union.
Dennoch dauerte es bis 1986 ehe Energie im Oberhaus erneute Aufnahme fand. Im entscheidenden Spiel gegen Neubrandenburg vor 11.000 Zuschauer auf der “Baustelle” Stadion der Freundschaft, siegte Cottbus sicher mit 4:0. In der Saison 1986/87 fiel die Entscheidung um den Abstieg erst am letzten Spieltag. Mehr als Tausend Energie-Fans begleiteten ihr Team zum Spiel bei Stahl Brandenburg. Trotz eines mühsam erkämpften 1:0-Sieges in der Stahlstadt sollte es nicht zu einem weiteren Oberliga-Jahr reichen. Der Grund: Zeitgleich erreichte Stahl Riesa mit freundlicher Hilfe des 1. FC Lok Leipzig ein 1:1 im Leipziger Bruno-Plache-Stadion und stand in der Endabrechnung dank der besseren Tordifferenz vor Energie.
Erstmaliger Klassenerhalt 1989 Nach dem Abstieg blieb die Mannschaft im Großen und Ganzen zusammen und wurde zukunftsträchtig verstärkt - der konkurrenzlose Wiederaufstieg war perfekt. Im fünften Anlauf konnte die Klasse erstmals gehalten werden. Vor allem in den Heimspielen vor großartiger lautstarker Kulisse strauchelte annähernd jeder Gegner.
Im Spieljahr 1989/90 wurde noch einiges drauf gesetzt. Kein einziges Spiel verloren die Cottbuser auf ihrem eigenen magischen Rasen- das garantierte auch die drittbesten Zuschauerzahlen der Liga hinter Dresden und Rostock. Rang 7 in der Endabrechnung der Oberliga brachte auch erstmals eine Teilnahme in einem internationalen Wettbewerb, dem IF-Cup, wo man den frischgebackenen DFB-Pokalsieger Kaiserslautern mit 4:0 vom Platz fegte. Im entscheidenden Jahr konnte die positive Entwicklung nicht fortgesetzt werden. Während andere sich den Weg in die 1. und 2. Bundesliga bahnten wurde der gerade neu gegründete FC Energie Cottbus drittklassig.
Amateuroberliga 1991 – 1994 Fast die gesamte Mannschaft suchte sich einen neuen Verein bis in die untersten Spielklassen Deutschlands. Nur Jens Melzig und Jörg Schwanke (übrigens der einzige DDR-Nationalspieler von Energie) schafften mit Dresden bzw. Bochum den Sprung in die 1. Bundesliga. Das der Sturz verkraftet wurde, dafür sorgten viele ehemalige Energie-Nachwuchsspieler die vom Serienmeister BFC Dynamo zum ehemaligen “Lieferanten” zurückkehrten. Der 1991/92 erreichte dritte Rang (hinter Union Berlin und dem 1. FC Magdeburg) in der NOFV-Oberliga Mitte war einer positiven Überraschung gleichzusetzen. 1992/93 gelang dieses Kunststück erneut und noch einmal war Energie in aller Munde. Energie Cottbus wurde mit über 100 Toren der beste Sturm Deutschlands. Die Saison 1993/94 beendete Energie als Tabellenzweiter und hatte damit das Anrecht die Aufstiegsspiele zur 2. Bundesliga zu bestreiten. Das dies wohl sehr überraschend kam, sah man daran, das Energie gegen die Konkurrenz aus Zwickau und Brandenburg nicht einen Punkt holen konnte.
Regionalliga 1994 - 1997 Zu Beginn der neu gegründeten Regionalliga machte der Verein einen harten Schnitt - verpflichtete mit Eduard Geyer einen in der DDR anerkannten und erfolgreichen Trainer. Im ersten Regionalligajahr schwankten die Leistungen zwischen Heim- und Auswärtsauftritten derart stark, dass an eine ordentliche Platzierung nicht zu denken war. Während die Cottbuser bis zum 31. Spieltag auf gegnerischem Platz ungeschlagen blieben, gelangen nur 5 magere Heimsiege. Mit großem Punktabstand zur Spitze lief der FCE als siebter ins Ziel. Nach dem erstmaligen Landespokal-Gewinn von 1995 trat Cottbus auch erstmals im DFB-Pokal in Erscheinung. Doch gegen den SV Meppen wurde der Respekt erst in der letzten halben Stunde abgelegt - das reichte nur zum 1:2-Anschlußtreffer durch Kubis.
Nachdem bereits im Herbst 1995 der Staffelsieg verspielt wurde begannen den Energie-Kickern ohne Aufstiegsdruck plötzlich Flügel zu wachsen. Nach einem 0:1 in Dresden vom 10. Februar starteten die Lausitzer eine beinahe unheimliche Serie. Ungeschlagen absolvierte der FCE 57 Pflichtspiele in Folge. Erst mehr als ein Jahr nach der letzten Niederlage, am 11. Mai 1997 musste sich Energie erstmals wieder geschlagen geben - von Dynamo Dresden. Doch zu diesem Zeitpunkt war Energie schon Regionalliga-Meister 1996/96 - mit einem perfekten Start-Ziel-Sieg.
Noch mehr deutschlandweite Beachtung fanden allerdings die Auftritte im DFB-Pokal. Als zweiter Amateur und erster ostdeutscher Vertreter in der Geschichte des DFB-Pokals qualifizierte sich der FC Energie Cottbus für das Finale im Berliner Olympiastadion. Nach Siegen gegen die Stuttgarter Kickers, den VfL Wolfsburg, MSV Duisburg, FC St. Pauli spielte sich der FCE im Halbfinale in die Herzen aller deutschen Fußballfans. Dichtes Schneetreiben mitten im April und ein grandioser 3:0-Sieg gegen den Karlsruher SC ließ ganz Cottbus feiern. Gegen den VfB Stuttgart verloren die tapferen Cottbuser zwar das Finale in Berlin aber nicht das Gesicht, denn die eigentliche Krönung für Energie war schon erfolgt. Nachdem vom Deutschen Fußball-Bund festgelegt wurde, daß der Meistertitel der Regionalliga nicht automatisch zur Qualifikation der 2. Bundesliga reicht, musste Energie erst in zwei Relegationsspielen überzeugen. Das Hinspiel bei Hannover 96, das ebenso wie Energie seine Liga, die Regionalliga Nord, dominierte, sahen 55.000 Zuschauer im ausverkauften Niedersachsenstadion. Ein in Unterzahl erkämpftes 0:0 brachte die Lausitzer in eine vorteilhafte Position. 20.000 euphorische Fans im Cottbuser Stadion der Freundschaft bangten und feierten dann eine Woche später mit dem FC Energie im Rückspiel. Mitte der zweiten Halbzeit beim Stand von 1:1 versagte die gerade erst gut einen Monat alte Flutlichtanlage ihren Dienst. Eine Geschichte um die sich noch heute - vor allem in Hannover - die schönsten Gerüchte ranken, die der Fußball ebenso schreibt.
Am Ende war es aber wohl doch nur eine Starkstrom-Sicherung, deren Austausch sich hinzog. Kaum als das Licht wieder funktionierte mußte Energie-Kapitän Melzig den Platz mit Gelb-Rot verlassen und keine Minute später ballerte Detlef Irrgang den FC Energie in Führung. Der “Fußballgott” ließ kurz vor dem Ende das 3:1 in seiner eigenen unglaublichen Manier folgen und schoss die Lausitz die 2. Bundesliga.
2. Bundesliga 1997 - 2000 Trotz einiger Anfangssorgen, mit mehreren schwerwiegenden Abgängen und unbekannten Zugängen, überstand der Lausitzer Club seine erste Zweitliga-Saison unbeschadet. Zum Saisonabschluß feierten die Fans einen sehr guten 8. Tabellenplatz, der allerdings über einige Ungereimtheiten hinwegtäuschte. Äußerst erfolgreich war die Amateurvertretung: Landespokalsieg und Meisterschaft in der Verbandsliga - das Double für die Energie-Amateure.
Die Saison 1998/99 bleibt vielen Fans sicher lange in Erinnerung. Zahlreiche internationale Neuzugänge und viele Verletzungen bei den Leistungsträgern ließen die Spieler des FC Energie lange Zeit keine Mannschaft werden. Lange mußte die Energie-Elf um den Klassenerhalt bangen und stand 3 Spieltage vor dem Saisonende noch auf einem Abstiegsplatz. Das es dennoch klappte, lag an einem fulminanten Saisonfinish mit drei Siegen in Folge. Auswärts gab es für den FCE nicht viel zu holen, aber ausgerechnet der einzige Auswärtssieg der Saison, ein 3:0 bei Fortuna Düsseldorf, sollte Energie den Klassenerhalt sichern. Im DFB-Pokal war schon nach der zweiten Runde Schluß. In einem Heimspiel unterlag man dem Erstligisten von Borussia Mönchengladbach mit 2:4. Die Amateure, die erstmals im Pokalwettbewerb mitmischten, schieden in der ersten Runde gegen die SpVgg. Greuther Fürth aus. Das “Tor des Tages” fiel für die Profis aus Franken erst in der Nachspielzeit. In der Amateur-Oberliga belegte die Mannschaft als Aufsteiger einen hervorragenden vierten Platz und schrammte nur knapp an der Relegation zur Regionalliga vorbei.
Die “Milleniums-Saison” 1999/2000 wird wohl für immer in die Geschichte des Cottbuser und auch des gesamten ostdeutschen Fußballs eingehen. Schon zu Saisonbeginn zeigte sich der FC Energie in starker Verfassung. Ähnlich wie schon in der fulminanten Rückrunde der Vorsaison starteten die Cottbuser durch. Drei Siegen und 9:0 Tore nach den ersten drei Spieltagen noch wollte keiner die neue Rolle des FCE in der 2. Liga wahrhaben. Auch als Energie, die “Überraschung des Jahres”, auf Rang 2 überwinterte, glaubte kaum jemand an den ganz großen Coup. Die Zweifler bekamen nach Startschwierigkeiten zum Rückrundenbeginn (0 Punkte und 0 Tore aus den ersten drei Spielen) zunächst recht, aber die Geyer-Elf fing sich wieder und als nach einem 2:1-Sieg in Chemnitz die magische 40-Punkte-Grenze überschritten war, dachte man auch in Cottbus laut über den Aufstieg nach. Es folgte eine Phase mit Höhen und Tiefen, die der hartnäckigen, erfahrenen Konkurrenz wie Nürnberg oder Mönchengladbach immer wieder Hoffnung gab. Ausgerechnet die vom Papier her leichten Spiele “vergeigten” die Cottbuser, während gegen die starke Konkurrenz immer etwas Zählbares heraussprang.
Vier Spieltage vor Saisonende standen die rot-weißen aus Cottbus noch immer auf einem Aufstiegsplatz und mit den drei Heimspielen und dem Auswärtsauftritt in Offenbach sollte der große Wurf gelingen. Das Heimspiel-Doppel gegen Mannheim und St. Pauli entschied der FCE jeweils mit 3:2 für sich, in Offenbach feierten 1.500 mitgereiste Fans einen hart erkämpften 2:1-Sieg gegen die sich gegen den Abstieg stemmenden Kickers und so stand man vor dem 34. Spieltag mit einem Punkt vor Mönchengladbach auf Rang 3. Der FC Energie spielte zuhause gegen den Zweitliga-Meister 1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach musste in Nürnberg ran.
In der Woche vor dem Spiel brach gleichermassen eine Fußball-Euphorie und -Hysterie über die Lausitz hinein und in nur 2 Tagen war das Stadion der Freundschaft restlos ausverkauft.
Dann endlich das Spiel aller Spiele: Freitag, 26. Mai 2000, 19.00 Uhr. In ganz Cottbus traf man keinen Menschen auf der Straße. 20.000 Fans im Stadion der Freundschaft, zehntausende vor Fernseh- und Radiogeräten fieberten dem Spiel des Jahrhunderts entgegen. 19.43 Uhr: Ein Jubelorkan legt sich über die gesamte Lausitz, als “Fußballgott” Detlef Irrgang das 1:0 erzielt. 20.04 Uhr: Vasile Miriuta legt das 2:0 nach - der Endstand und die unglaubliche Gewissheit: Der FC Energie Cottbus ist als 48. deutscher Fußballverein in die Bundesliga eingezogen. Die ganze Lausitz flippt förmlich aus, tausende machen die folgende Nacht zum Tag und feiern bis in die Morgenstunden auf den Straßen. Hier hatte nicht nur eine Fußballmannschaft gewonnen, hier haben sie alle gewonnen.
Im DFB-Pokal erreichte der FC Energie in der Spielzeit 1999/2000 immerhin das Achtelfinale. Nachdem man in Osnabrück und Gütersloh jeweils mit viel Glück in den Schlußminuten einen 0:1-Sieg erreichte, ließen die Cottbuser in der dritten Runde beim Heimspiel gegen Schalke 04 alte Pokaltraditionen aufblitzen. In einem atemberaubenden Pokalfight behielten die Cottbuser gegen die Knappen mit 7:6 nach Elfmeterschießen die Oberhand. Im Achtelfinale wartete mit dem SC Freiburg eine schwere Auswärtshürde. Energie zeigte zwar ein ansehnliches Spiel, verlor aber verdient mit 2:0 gegen die Finke-Elf. Die Amateure des FC Energie sicherten sich in der Oberliga den Klassenerhalt erst am vorletzten Spieltag. Nach einer mäßigen Hinrunde zeigte die Meseck-Elf erst nach dem Winter ihre wahre Stärke. Noch knapper wurde es für die A-Junioren. Im Vorjahr Regionalliga-Dritter, retteten sich die Jungs von Uli Nikolinski mit nur einem Tor Unterschied vor dem Sturz in die Verbandsliga.
Bundesliga 2000 - 2003 Alles andere als vielversprechend startete der FC Energie in das Abenteuer “Bundesliga”. Gleich zu Beginn hagelte es für die unerfahrene Energie-Elf Niederlagen. 0 Punkte und 2:10 Tore nach den ersten drei Saisonspielen - die “Experten” fühlten sich bestätigt. Doch dann kamen die Lausitzer langsam in Fahrt und ein 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt am 4. Spieltag zeigte: Energie kann mithalten.
Vor allem im heimischen “Stadion der Freundschaft” zeigte der Aufsteiger fortan sein wahres Gesicht. Selbst Branchenriesen wie Bayern München, Schalke 04 oder Hertha BSC verließen als Verlierer die Lausitz.
Nur auswärts klappte es beim FCE nicht so richtig. Meist waren die Cottbuser ein gern gesehener Gast, der mit einer “Packung” zurück in den Osten geschickt wurde. Zwar wurden die Niederlagen in der Fremde mit der Zeit knapper, aber mehr als zwei magere Auswärts-Pünkchen (Kaiserslautern, Wolfsburg) standen zur Winterpause nicht auf der Haben-Seite. Erst am 23. Februar 2001 sollte der langersehnte Auswärtssieg gelingen - natürlich dort wo es niemand erwartete. Energie bezwang ausgerechnet Vizemeister Bayer Leverkusen in der BayArena sicher und verdient mit 3:1. Matchwinner war einmal mehr Regisseur Vasile Miriuta. Es war eindeutig die Saison des Rumänen mit ungarischem Pass. Aus einer “Mannschaft der Namenlosen” stieg Miriuta zum Star empor. Elf Tore - davon sieben direkt verwandelte Freistöße - und elf Torvorlagen - kein anderer Mittelfeldspieler der Bundesliga war gefährlicher und effektiver.
Nach dem Sieg in Leverkusen ging es jedoch weiter wie gehabt. Zu Hause ein deutliches 3:0 gegen Hertha BSC - auswärts vermeidbare Niederlagen in Bochum, Stuttgart und Rostock. Zwei Spieltage vor dem Saisonende stand der FC Energie wieder auf einem Abstiegsplatz und zwei Siege waren nötig um den großen Traum vom Klassenerhalt war werden zu lassen. Die Fans im fast ausverkauften Stadion der Freundschaft erlebten am 33. Spieltag eine Zitterpartie gegen den Hamburger SV. Zwar führte Energie schnell mit 2:0, doch die Hamburger schlugen zurück, kamen auf 2:1 und 3:2 heran. Erst Franklins Knaller zum 4:2 in der 62. Minute sicherte den Sieg. Dank der Dortmunder Schützenhilfe (4:1 in Unterhaching) stand der FCE wieder auf Rang 15 - einen Punkt vor den Hachingern. Mehr als 7.000 Energie-Fans machten sich am letzten Spieltag auf den Weg nach München, um mit ihrer Elf den Klassenerhalt mit einem Sieg beim TSV 1860 perfekt zu machen. Kurz nach dem Anpfiff hatten diese zunächst einen Schock zu verdauen: Unterhaching führte auf Schalke mit 1:0 - 25 Minuten war der FC Energie wieder in der 2. Bundesliga. Dann kam “Pistolero” Antun Labak und ballerte die Cottbuser in Führung. Dennoch, es war ein Tanz auf des Messers Schneide. Energie verpasste es den Sack zuzumachen, Unterhaching führte zwischenzeitlich mit 2:0 und 3:2. Am Ende reichte es jedoch, die Lausitzer brachten das 1:0 über die Zeit und sicherten die Bundesliga-Verbleib aus eigener Kraft. Nur Minuten nach dem Abpfiff in München starteten die Spontan-Feiern in der ganzen Lausitz. Hunderte Autos bildeten einen Autokorso und fuhren hupend durch die Cottbuser Innenstadt. Mehr als 1.000 Fans empfingen ihre Helden am Drewitzer Flughafen und feierten noch auf dem Rollfeld den Klassenerhalt. Die Feiern gipfelten am Sonntag beim Empfang im Cottbuser Spreeauen-Park, als 20.000 Anhänger ihren FCE erwarteten. Der Pokalwettbewerb war für die Energie-Fußballer wieder einmal früh vorbei. Nach einem souveränen 6:0 beim Oberligisten VfL Hamm bezwang der Bundesliga-Absteiger SSV Ulm die Cottbuser in der 2. Hauptrunde mit 2:0.
Die Amateure sicherten sich nach 1998 auch im Jahr 2001 den Brandenburgischen Landespokal. Im Finale setzte sich die junge Elf nach einem tollen Spiel gegen das Regionalliga-Spitzenteam des SV Babelsberg 03 verdient mit 3:1 durch. Mit einem phantastischen Start ging der FC Energie in seine zweite Bundesliga-Saison und stand nach dem vierten Spieltag (3:2-Sieg bei Hertha BSC) kurzzeitig auf dem dritten Tabellenplatz. Nur kurz währte allerdings die Freude über den Aufgalopp des FCE. Es folgten bis zur Winterpause 14 Spiele ohne Sieg mit lediglich fünf Remis für die Rot-Weißen. Glück für die Lausitzer, dass die Konkurrenz aus Nürnberg, Köln und St.Pauli ebenfalls auf der Stelle trat und der Abstand zu den Nichtabstiegsplätzen nie bedrohlich wurde.
Nach dem obligatorischen Wintertrainingscamp im arabischen Dubai, setzte Energie einmal mehr zur Aufholjagd an und fand zu alter Heimstärke - leider auch zu bekannter Auswärtsschwäche - zurück. Sechs Heimsiege in Folge (Bremen, Hertha, Rostock, Schalke, St.Pauli, Freiburg) sowie Punktgewinne gegen Gladbach und in Stuttgart - der in der Hinrunde manchmal für nicht möglich gehaltene Klassenerhalt war bereits am 31. Spieltag geschafft. Herauszuheben aus einer in der Rückrunde kompakten Mannschaft sind Marko Topic und Vasile Miriuta. Stürmer Topic, bis zum 19. Spieltag ohne Treffer, wurde zum Garanten für den Klassenerhalt. Alle sieben Saisontore erzielte der Bosnier in der Rückrunde. Mittelfeldregisseur Vasile Miriuta, in der ersten Bundesliga-Saison noch bester Torschütze und Vorbereiter des FC Energie, hatte ebenfalls arge Probleme, verchwand sogar teilweise aus der Anfangsformation. Mit Unterstützung der Energie-Fans, die ihren Star nie fallen ließen, schwang er sich zur Höchstform auf. Bezeichnend war hier das Heimspiel gegen Hansa Rostock. Tausende “VASILE” Schilder hoben die Fans in den Abendhimmel. Die “Torglatze” dankte es ihnen - ein Supertor erzielt, zwei Treffer vorbereitet und damit an allen Toren beim 3:0-Sieg beteiligt.
Der DFB-Pokal brachte einmal mehr das vorzeitige Aus. Die Amateure als Brandenburgischer Landespokalsieger unterlagen dem späteren Bundesliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld mit 0:4, die Profis scheiterten beim drittklassigen KFC Uerdingen mit 0:1.
Mit der nach eigener Aussage “besten Energie-Elf aller Zeiten” ging es ins dritte Bundesliga-Jahr. Allerdings waren die Fans nur kurz vom neuen Energie-Team begeistert.
Das 1:1-Remis zum Auftakt gegen den mit etlichen WM-Stars gespickten, Vizemeister, Champions-League- und DFB-Pokal-Finalisten Bayer Leverkusen, wurde hoch angerechnet - was danach passierte, machte Energie zum “hoffnungslosen Fall”, wie es Deutschlands Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer beschrieb. Die nackten Zahlen der Hinrunde waren erschreckend: Zwei Siege (3:1 in Hannover, 2:1 gegen Bielefeld), vier Remis und elf Niederlagen, zehn Spiele ohne eigenen Torerfolg, eine Tordifferenz von minus 25 Toren, Tabellenletzter mit neun Punkten Rückstand zum rettenden Ufer - die Fußball-Lausitz lag am Boden. Um so verwunderlicher, wie die Geyer-Elf in die Rückrunde startete. Einmal mehr sollte das fast magisch anheimelnde Dubai der Auslöser sein. Energie tankte Kraft und Sonne, verabschiedete sich von alten Haudegen (Miriuta, Akrapovic), setzte auf junge Leute (Rost, Schröter, Latoundji), stellte vom Libero-System auf die Vierer-Abwehrkette um und feierte Erfolge. Vier Siege und ein Remis in den ersten fünf Spielen nach der Winterpause. Nur ein Gegentor für die umgestellte Abwehr und offensiver, kräftiger Fußball der in neun Treffern mündete. Ganz Deutschland traute seinen Augen nicht un Beckenbauer musste vor dem Showdown des meilenweit die Tabelle anführenden FC Bayern beim besten Rückrundenteam aus Cottbus seine Aussage vom “hoffnungslosen Fall” zurücknehmen.
Doch “Kaiser Franz” sollte recht behalten. Die 0:2-Heimniederlage gegen die Münchner hatte jeder eingeplant, und doch sollte sich Energie in der Folge nicht mehr erholen.
Kamen die Bayern zum falschen Zeitpunkt? Wie dem auch sei, der FC Energie verschenkte die zum Klassenerhalt nötigen Punkte nahezu. 2:3-Niederlage in Wolfsburg nach 2:1-Führung, unglückliche 1:3-Niederlage trotz Torchancen en massé gegen den direkten Konkurrenten Kaiserslautern. 1:3 in Berlin trotz Führung bis zur 75. Minute, 2:3 gegen Stuttgart trotz des 2:2-Ausgleichs in der 86. Minute, 1:1 gegen Gladbach nach 1:0-Führung bis zur 83. Minute, 2:2 in Bielefeld nach 2:0-Pausenführung - der Abstieg sollte immer mehr Gewissheit werden. Am 32. Spieltag war es dann soweit. Was die meisten schon in der völlig verkorksten Hinrunde ahnten, wurde Gewissheit. Am 10. Mai 2003 um 17.15 Uhr ging im Münchner Olympiastadion das Cottbuser Bundesliga-Abenteur nach drei Jahren zu Ende.
Beinahe Gespenstisch wirkte die nackte Energie-Bundesliga-Statistik. Die 0:3-Pleite beim TSV 1860 München war das 100. Bundesliga-Spiel der Cottbuser. Energie ging als 100. Bundesliga-Absteiger den Weg in die 2. Liga und hatte zu diesem Zeitpunkt genau 100 Punkte gesammelt.
Im Pokal setzte Energie seine Tradition fort, nicht über die zweite Runde hinaus zu kommen. Einem 2:0-Sieg bei Zweitliga-Aufsteiger Wacker Burghausen folgte wenigstens diesmal ein Heimspiel für die pokalgeplagten Fans. Im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern unterlagen die Lausitzer mit 0:1. Die Energie-Amateure erreichten nach starkem Saisonstart (Tabellenführer nach siebenten Spieltag) unter dem neuen Trainer Detlef Ullrich einen erneut achtbaren Mittelfeldplatz in der Amateur-Oberliga. Einen langen negativen Schatten warf die um Längen verpasste Qualifikation der A-Jugend für die neue Nachwuchs-Bundesliga auf die gesamte Kinder- und Jugendarbeit des Clubs, der ansonsten erneut im Nachwuchsbereich Maßstäbe setzte.
2. Bundesliga 2003 - 2006 Trotz des Abstiegs startete der FC Energie euphorisch in die neue Zweitliga-Saison. Mit nur wenig Substanzverlust in der Mannschaft sowie vielversprechenden Neuzugängen sollte der direkte Wiederaufstieg gelingen. Die Fans strömten nach wie vor ins Stadion an der Spree, das mit einer neuen überdachten Osttribüne noch komfortabler wurde. Zur Winterpause stand der FC Energie zurecht auf einem Aufstiegsplatz und gehörte wohl zu den konstantesten Teams der Liga. Ein ewiges Auf und Ab in der Rückrunde ließ Energie - auch dank der schwächelnden Konkurrenz - an der Spitze verharren. Bis zum 32. Spieltag hielt der FC Energie die dritte - zum Aufstieg berechtigende - Position, dann ging dem Club die Puste aus. Bis zum 1:1 gegen den fast abgestiegenen VfB Lübeck schweisste der Aufstiegsplatz noch zusammen, was längst keine Einheit mehr war und im vorletzten Saisonauftritt verspielte Energie in 90 Minuten endgültig den Aufstieg. Bei der SpVgg Unterhaching unterlag der FCE völlig verdient nach einer mehr als desolaten Leistung mit 0:2 und musste sich im Anschluss den Protesten der gut 2.000 mitgereisten Anhänger stellen. Allen war trotz der weiter bestehenden theoretischen Aufstiegsmöglichkeit klar, dass der Zug in Richtung Bundesliga ohne Energie Cottbus abgefahren war. Mit einem klaren 3:0 über Regensburg beendeten die Lausitzer die Spielzeit wenigstens versöhnlich, auch wenn der Stachel der Enttäuschung zu tief saß um ihn mit einem gelungenen Auftritt endgültig zu entfernen.
Einzig der Nachwuchs sorgte wieder für positive Schlagzeilen. Allen voran glänzte die B-Jugend des FCE, die Deutscher Vizemeister wurde. Die A-Jugend-Mannschaft des FC Energie erreichte nach einer überragenden Saison den im Vorjahr verpassten Bundesliga-Aufstieg.
In der Saison 2004/05 wollten die Cottbuser, die am Ende nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz als Tabellenvierte am Aufstieg scheiterten, noch einmal angreifen und nahmen den Aufstieg erneut ins Visier. Vom Papier her war Energie erneut Favorit aufs obere Tabellendrittel, startete man doch mit einem der höchsten Etats aller Vereine in die Saison. Zudem wurde der Kader von Eduard Geyer gesäubert und spektakulär verstärkt. Mit Michael Thurk, Youssef Mokhtari und Steffen Baumgart verpflichtete der FC Energie absolute Zweitligaspitze. Der Club startete den Erwartungen entsprechend in die Saison, rutschte aber im Herbst in eine schwere Krise. Im sportlichen Bereich zeigte sich, dass der namhafte Kader nicht zu einer Mannschaft zusammenwachsen wollte und Energie rutschte in der Tabelle in Richtung Abstiegsränge. Finanziell machten (später bestätigte) Gerüchte von einer Hohen Schuldenlast die Runde. Als Alemannia Aachen am 14. Spieltag als erste Mannschaft alle drei Punkte aus dem Stadion der Freundschaft entführen konnte war es um Eduard Geyer geschehen.
Mehr als neun Jahre trainierte Geyer den Club und drückte ihm seinen Stempel auf. Zahlreichen Erfolge in den vergangenen Jahren zählten in der aktuellen Situation nicht mehr. “Jetzt ist Energie endgültig im Profifußball angekommen” umschrieb Ex-Kapitän Christian Beeck treffend die Szenerie in der Lausitz. Neuer Trainer wurde Geyers Co. Petrik Sander. Der ehemalige Energie-Stürmer startete zwar mit zwei Niederlagen in Folge ins neue Amt und führte den Verein zunächst auf den letzten Tabellenplatz, allerdings wurde die fußballerische Leistung im nun offensiv ausgerichteten Team von Woche zu Woche besser und so stellte sich auch der Erfolg ein. Am letzten Spieltag vor der Winterpause kam der Karlsruher SC bei plötzlich unzähmbaren Cottbusern mit 4:1 unter die Räder - Energie überwinterte auf einen Nichtabstiegsplatz. Im Frühjahr startete Energie mit neuem Elan in die zweite Halbserie und hatte nach der 3:5-Heimpleite gegen Köln neben dem Sturm auch seine Abwehr im Griff. Minimalistisch arbeitete sich Energie nach vorn und gewann Abstand zum Tabellenende. Als bereits alles gerettet schien - nur noch einen Sieg benötigte Energie aus den letzten vier Spielen - brach das auf wackligen Füßen stehende Gebilde “Energie Cottbus” zusammen. Nebenkriegsschauplätze, Gerangel in der Vereinsführung, Rücktritte von Manager Klaus Stabach und Präsident Dieter Krein gingen nicht spurlos an der Mannschaft vorbei. Energie taumelte wehrlos in den Abgrund - Vorzeichen, die schon einige Clubs mit dem völligen Verschwinden von der Bildfläche bezahlt haben. Am letzten Spieltag (Energie benötigte in Karlsruhe ein Remis für den Klassenerhalt) waren die Cottbuser zeitweise abgestiegen, doch der Fußballgott muss irgendetwas für die Rot-Weißen aus der Lausitz übrig haben - schaffte Energie doch trotz eigener 3:2-Niederlage in Karlsruhe den Klassenerhalt dank eines einzigen Treffers Differenz gegenüber Eintracht Trier. Der kollektive Schockzustand der ganzen Region hat die Köpfe der Energie-Anhänger genauso wie die der Mannschaft und Führung gereinigt. Es wird wieder geklotzt statt geträumt!
Trotz des Ligaverbleibs stand die neue Führungsriege vor einem Scherbenhaufen. In Windeseile leitete das neue Präsidium alle nötigen Schritte für das Lizensierungsverfahren ein und schaffte es - die Lizenzauflagen waren in kürzester Zeit erfüllt und der Neubeginn konnte endgültig vonstatten gehen. Petrik Sander - nach dem erfolgreichen Klassenerhalt bekam er das Vertrauen der Fans und Vereinsführung - veränderte den Kader grundlegend. Er reduzierte die Anzahl der Spieler und baute um ein festes Gerippe von Leistungsträgern eine nahezu ne Schnell setzte sich Energie im oberen Tabellendrittel fest und überzeugte wie nie zuvor im Profifußball in fremden Stadien. Der ehemals gern gesehene Gast aus Cottbus war am Ende die zweitbeste Auswärtsmannschaft der Liga. Bezeichnend, dass man die 40-Punkte-Grenze auswärts überschritt, bereits 10 Spieltage vor Saisonende. Die Pflicht war erfüllt, die Kür konnte kommen. Die Lausitzer bissen sich durch, verloren in der gesamten Rückrunde nur drei Spiele und punkteten dabei gegen die gesamte Aufstiegskonkurrenz. Drei Spieltage vor dem Ende - Dynamo Dresden war zu Gast im Stadion der Freundschaft - hätte Energie die Weichen auf Bundesliga stellen können. Am Ende wackelten die Rot-Weißen vor der eigenen Courage, behielten beim 0:0 mit Glück einen Punkt in Cottbus. Den nächsten Matchball vergab die Sander-Elf in Offenbach, während die Kickers mit einem 2:0-Sieg den eigenen Klassenerhalt feierten. Vor dem 34. und letzten Spieltag stand Energie noch immer einen Punkt vor der Konkurrenz auf Platz 3 der Tabelle. Ein Sieg gegen zuletzt desolate Münchner Löwen sollte also für den Aufstieg reichen. Die Woche vor dem Spiel rauften sich Verein und Fans zusammen, denn diese Chance wollte sich keiner mehr nehmen lassen. Teammanager Petrik Sander betrieb behutsame Seelenmassage und als die Mannschaft am 14. Mai pünktlich um 15 Uhr auf dem Platz des ausverkauften Stadion der Freundschaft stand, war es wieder eine unbekümmerte vor Kraft strotzende Elf, angefeuerte und aufgepeitscht von tausenden Kehlen. Gegner 1860 München wusste in der Anfangsviertelstunde nicht wie ihm geschah, und auch als die Bayern nach einem Konter mit 1:0 in Führung gingen - diese wilde Cottbuser Elf war nicht zu bändigen. Noch vor der Pause traf Greg Berhalter per Handelfmeter zum 1:1, nach der Halbzeit überrollten willensstarke Cottbuser den Gegner und siegten hochverdient mit 3:1. Energie war zurück in der Bundesliga, Cottbus feierte gleich mehrere Tage hintereinander seine Mannschaft - und freute sich einen Sommer lang auf Sanders “gallisches Dorf”, das die Großen erneut in der Bundesliga ärgern will.
1. Bundesliga 2006 - 2009 Entgegen der ersten Cottbuser Bundesliga-Ära verstärkte Sander seine Elf nach dem Aufstieg nur punktuell und setzte auf die Cottbuser Aufstiegshelden. Dieser Plan sollte von Beginn an aufgehen. Vor allem die Auswärtsstärke behielt die Energie-Elf bei. Schon im 2. Auswärtsauftritt gingen die Lausitzer bei Mitaufsteiger Bochum als Sieger vom Platz, gewannen insgesamt fünf Auswärtsspiele - unter anderem in Berlin und Dortmund. Im heimischen Stadion der Freundschaft rollte der Ball dagegen nicht immer locker. Das typische Energie-Spiel, mit überfallartigen Kontern aus einer tiefen Defensiv-Stellung heraus, funktionierte auf gegnerischem Grund zuweilen besser als auf eigenem Platz. Immerhin sechsmal durften die Energie-Fans nach Heimspielen die volle Punktzahl bejubeln, ebenso oft nahm aber der Gegner die drei Punkte an sich.
Insgesamt zeichnete die Cottbuser eine gewisse Konstanz aus. Abgesehen von einer Schwächephase zum Ende der Hinrunde, als man 10 Spiele in Folge nicht gewinnen konnte, konnte sich der Energie-Fan auf seine Elf verlassen. Entsprechend standen die Rot-Weißen auch nur ein einziges Mal auf einem Abstiegsplatz, rangierten des öfteren sogar in der oberen Tabellenhälfte. Mit einem 2:1 über Bayer Leverkusen sicherte sich Energie bereits am 31. Spieltag den Klassenerhalt. Zudem übertrafen die Cottbuser erstmals die 40-Punkte-Marke in der Bundesliga.
Zuhause oder Auswärts - beim Tore erzielen zeigte Energie Beständigkeit, vor allem dank der “rumänischen Torzwillinge”. Sergiu Radu, der den FC Energie mit 12 Zweitligatoren maßgeblich in die Bundesliga schoss bekam vor der Saison Verstärkung in Person von Vlad Munteanu. Fortan wirbelten die beiden die komplette Bundesliga durcheinander. Trafen sie nicht selbst, bereiteten sie die Tore vor, am liebsten natürlich für den jeweils anderen Zwilling. Die Statistik liest sich atemberaubend. Zusammen erzielten sie 25 der 38 Energie-Tore, Sergiu Radu schaffte es als erster Energie-Spieler mit 14 Toren in die Top-Five der Bundesliga-Torjäger, Vlad Munteanu wurde mit 18 Scorer-Punkten zweitgefährlichster Mittelfeldspieler der Liga.
So genial Radu und Munteanu in der Bundesliga harmonierten, so klar war auch, dass finanzstärkere Bundesligaclubs (und das sind fast alle) die Fühler nach dem Rumänen-Duo ausstrecken. Trotz bestehender Verträge waren beide Spieler nicht in Cottbus zu halten. Der Verkauf des Doppelpacks nach Wolfsburg brachte dem FCE erstmals in der Geschichte einen Transfererlös mehrerer Millionen Euro. Die eigenen Transferausgaben für Radu und Munteanu dürften die Cottbuser damit mindestens verzehnfacht haben. So leid es den Fans um die ihre beiden Lieblinge tat, so sehr ist ein Transfer wie dieser auch Chance für den Verein.
Entsprechend ging im Sommer 2007 Manager Steffen Heidrich weltweit auf Einkaufstour um das Energie-Konzept weiter zu verfolgen. Der Weg der beiden Rumänen hatte sich unter den osteuropäischen Fußballprofis längst rumgesprochen, Energie ist eine Adresse zum Einstieg in die große Fußballwelt geworden. Dass Energie am 10. Mai 2008, einen Spieltag vor Ende der Saison 2007/08, mit einem 2:0-Sieg gegen den Hamburger SV den erneuten Klassenverbleib feiern konnte, verwiesen die meisten Fußballinteressierten in ganz Deutschland lange Zeit ins Reich der Utopie. Von Saisonbeginn weg spielte Energie kaum erstligatauglichen Fußball oder haderte mit fehlendem Glück, wenn man trotz optischer Gleichwertigkeit mit den Kontrahenten die Punkte liegen ließ. Schon nach dem 6. Spieltag - ein 1:2 gegen Wolfsburg - zog die Vereinsführung die Notbremse und beurlaubte Trainer Petrik Sander. Beerben sollte ihn - nach einem Gastspiel von Amateur-Trainer Heiko Weber beim 0:5 in München - mit Bojan Prasnikar ein in der Bundesliga gänzlich unbekannter Slowene. “Wenn ich das langsamere Auto habe, muss ich in einem Rennen taktisch fahren.” - so eine der ersten Aussagen des neuen Energie-Coaches, der seine Spieler länger und umfangreicher trainieren ließ, mit seinem Klemmbrett Spielzüge erklärte und die Mannschaft vor allem in Taktik und Disziplin schulte. Erste Erfolge waren, dass Energie nur noch selten zu besiegen war. Bis zur Winterpause wollte Prasnikar seine Mannschaft wieder an die Nichtabstiegsplätze heranführen und schaffte dies mit der ausgeglichenen Bilanz von drei Siegen, vier Remis und drei Niederlagen. Vor allem der 5:1-Kantersieg über Hannover 96 am 17. Spieltag festigte den Glauben an den Klassenerhalt. Der Start in die Rückrunde ließ die Hoffnungen jedoch wieder sinken. Beim 2:3 gegen Leverkusen haderte Energie ob zwei nicht gegebener Tore mit den Unparteiischen, beim 3:3 in Bochum verschenkte Energie die Punkte und beim 0:2 gegen Dortmund zeigte Energie trotz Besuch des neuen FCE-Ehrenmitglieds - der Bundeskanzlerin Angela Merkel - nur mäßigen Einsatz. Spätestens die beiden Niederlagen gegen Wolfsburg (0:3) und Stuttgart (0:1) ließen gerade aufgrund der gezeigten eigenen Leistung den Glauben schwinden. Am 15. März 2008 sollte sich das ändern. Bayern München war zu Gast in der Lausitz, Energie hatte nichts mehr zu verlieren. Für die Fans ging es noch einmal darum die Bundesliga zu genießen, die Stars der deutschen Fußball-Beletage zu bewundern, die Presse diskutierte, welcher Spieler sich die Trikots der Superstars Luca Toni und Franck Ribéry erhaschen. Die Punkte waren fest an die Bayern verplant, nur über die Höhe des Sieges herrschte Uneinigkeit. Am Ende kam alles anders. Cottbus schlug den FC Bayern mit 2:0 - nicht glücklich sondern verdient und als beherztes Team mit ansehnlichem Fußball. Branko Jelic erzielte beide Treffer schon vor der Pause, Gerhard Tremmel hielt dazwischen einen Foulelfmeter von Franck Ribéry. Am Ende waren die Münchner mit zwei Gegentoren noch gut bedient und das Spiel wurde ein Fingerzeig für den Rest der Saison. Während die Bayern keine weitere Liga-Niederlage mehr einsteckten, glaubten die Energie-Profis an ihr vorhandenes Potential. Zwar verlor der FCE eine Woche später mit 1:2 in Frankfurt, doch schon hier war das Auftreten ein anderes als noch vor wenigen Wochen. Im heimischen Stadion der Freundschaft holten die Cottbuser in den verbleibenden vier Heimspielen die Maximalpunktzahl von 12 Zählern, schlugen unter anderem die direkte Konkurrenz aus Bielefeld und Rostock und fuhren in Duisburg auch den so lange erhofften Auswärtssieg ein. In der von Bojan Prasnikar beschworenen eigenen Liga, die aus den fünf Abstiegskandidaten bestand, war Energie auf dem besten Weg “Meister” zu werden. Das “Meisterstück” machte der FCE im Hitchcock-Thriller gegen Hansa Rostock. In Unterzahl und mit 0:1 im Hintertreffen berannten und bestürmten die Cottbuser mit einer unglaublichen Moral den Gegner. Mit späten Toren von Timo Rost (81.) und Dimitar Rangelov (90.) drehten die Rot-Weißen die Partie und stürzten die Lausitz in einen kollektiven emotionalen Wahnsinn. Es war der Türöffner für den vierten Bundesliga-Klassenerhalt, der Schritt durch die Tür erfolgte zwei Wochen später mit besagtem 2:0-Sieg über den HSV. Am Ende blieb eine Meisterleistung von Trainer Bojan Prasnikar und von einem Team das von sich sagen konnte: Wir haben “immer daran geglaubt!” Den schier unglaublichen Rhythmus dreijähriger Spielklassen-Zugehörigkeit zu durchbrechen gelang dem FCE in der Saison 2008/2009 trotz größter Anstrengungen und der „Schließung“ des Stadions durch die Errichtung der Südtribüne nicht. Das im Vorjahr erfolgreiche Team wurde erstmals komplett zusammen gehalten und punktuell sogar sinnvoll verstärkt. Doch von Beginn an konnte die Mannschaft nicht an die wuchtigen, überzeugenden, taktisch disziplinierten Leistungen der vorangegangenen Rückrunde anknüpfen.
Dennoch blieben die Rot-Weißen bis zum letzten Spieltag im „Rennen“ um den Klassenerhalt. Zwar fehlte die Konstanz, doch mit Heimsiegen gegen den späteren Deutschen Meister VfL Wolfsburg und den DFB-Pokalsieger Werder Bremen wahrte Energie seine Chance. Am letzten Spieltag hatte es die Mannschaft nicht mehr selbst in der Hand, den Klassenerhalt zu realisieren, musste bei einem eigenen Sieg gegen Bayer Leverkusen auf ein Straucheln der Konkurrenz hoffen. In der Halbzeitpause des 34. Spieltags war der FCE anhand der Zwischenergebnisse abgestiegen, doch nach der Pause überschlugen sich die Ereignisse. Angeführt von Vorbereiter Ervin Skela spielte sich Energie in einen Rausch und zu einem 3:0-Sieg, während Bielefeld gegen charakterstarke Hannoveraner nicht über ein 2:2 hinaus kam. Der FC Energie hatte den 16. Platz erreicht und qualifizierte sich damit für die erstmals wieder ausgetragene Relegation gegen den Dritten der Zweiten Bundesliga. In nur fünf Tagen stemmte der FCE die Organisation des zusätzlichen Heimspiels gegen den 1. FC Nürnberg und freute sich über ein ausverkauftes Haus. Umso ernüchternder war das Resultat, denn nach anfänglichen Vorteilen brachen die Rot-Weißen förmlich ein. Mit 0:3 ging das Hinspiel verloren. Noch vor dem Rückkampf in Nürnberg kündigte Trainer Bojan Prasnikar seinen Rücktritt an. Im Frankenstadion setzte Energie zunächst alles auf eine Karte, unterlag aber nach einem moralbrechenden Sonntagsschuss schließlich mit 0:2. Der Abstieg war besiegelt, die nächsten drei Jahre Bundesliga hatten ein Ende.
Quellenangabe:
28.12.2009, http://www.fcenergie.de/verein/chronik/home.php 28.12.2009, http://www.fcenergie.de/verein/club/home.php
